Target-AF: Gezielte Vorhofflimmern-Früherkennung in der Hausarztpraxis

Background

Vorhofflimmern (VHF) ist eine sehr häufige Herzrhythmusstörung, die oft auch wiederholt kurzzeitig als paroxysmales VHF auftritt. Schon sehr kurzzeitiges VHF erhöht das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall. Paroxysmales VHF bleibt oft unentdeckt oder wird nur zufällig entdeckt. Wird VHF jedoch rechtzeitig erkannt, kann eine orale Antikoagulation das Schlaganfallrisiko deutlich senken. Es gibt bisher unzureichende Evidenz für einen optimalen Screening-Ansatz für VHF. VHF-Screening benötigt einen Ansatz, der eine Präselektion von Patient*innen mit erhöhtem Risiko vornimmt und die Dauer und Häufigkeit des EKG-Monitorings optimiert. Bekannt ist, dass die Prävalenz mit dem Lebensalter sowie bei Bluthochdruck steigt.

Ziele

Projektziel

Das Projekt „Target-AF“ zielt darauf ab, die hausärztliche Versorgung älterer Menschen mit erhöhtem Schlaganfallrisiko durch eine evidenzbasierte, systematische Früherkennung von VHF zu verbessern. Hierzu wird die Wirksamkeit einer strukturierten Screening-Intervention bei Patient*innen mit einem hohen Risiko für VHF sowie Ansätze zur Risikostratifizierung in hausärztlichen Praxen in Deutschland untersucht.

Methoden

Ablauf der Studie

Target-AF ist eine multizentrische, offene, zweiarmige (Intervention vs. Kontrolle, 1:1) randomisierte kontrollierte Studie (RCT). Patient*innen aus hausärztlichen Praxen im Alter von 70 Jahren oder älter mit bekanntem Bluthochdruck, ohne vorherige Diagnose von VHF und ohne Antikoagulation kommen für die Teilnahme an der Studie in Frage. Bis zu 1000 Teilnehmer werden in 72 hausärztlichen Praxen des FoPraNet Nord [EN1] rekrutiert. In jeder der sechs Regionen rekrutieren 12 Praxen jeweils 13–14 Patient*innen. Alle Teilnehmenden erhalten zunächst ein 24-Stunden-Holter-EKG, um ein bestehendes VHF auszuschließen und auf häufige supraventrikuläre Extrasystolen, einen potenziellen Risikomarker, zu untersuchen. Es wird eine Blutprobe entnommen, um Biomarker zu messen, die möglicherweise VHF vorhersagen können (NTproBNP, CDT, TSH und Kreatinin). Die Teilnehmenden werden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhalten entweder die übliche Versorgung nach Ermessen des behandelnden Arztes (Kontrollgruppe) oder eine Intervention mit 7-Tage-EKG-Überwachung bei Studienaufnahme, nach 3, 12, 24 und 36 Monaten oder bis zum Nachweis von Vorhofflimmern >30 Sekunden (Interventionsgruppe). Alle Patient*innen werden bei Studienaufnahme sowie nach 3, 12, 24 und 36 Monaten befragt zu ihrer Lebensqualität, ihrem Gesundheitszustand, kardiovaskulären und Blutungsereignissen sowie zur Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Der primäre Endpunkt ist der Nachweis von VHF (>30 Sek.) innerhalb von 36 Monaten. Sekundäres Ziel ist die Bewertung des prädiktiven Werts von Biomarkern und supraventrikulären Extrasystolen sowohl einzeln als auch in Kombination.


 [EN1]www.fopranet-nord.de 

Relevanz der erwarteten Ergebnisse

Das Projekt wird Daten zu Effektstärken und Durchführungsparametern liefern, die als Grundlage für die Konzeption einer künftigen, statistisch aussagekräftigen randomisierten kontrollierten Studie zur Schlaganfallprävention durch gezieltes Screening auf Vorhofflimmern dienen sollen.

Förderung

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) (Förderkennzeichen 01GK2502A) gefördert. Die Projektlaufzeit beträgt 60 Monate (01.05.2026 bis 31.04.2031).

Kontakt

Oberärztin

Dr. Eva Maria Noack

Dr. Eva Maria Noack

Kontaktinformationen

Study Nurse

Tanja Albrecht-Nock

 Tanja Albrecht-Nock

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